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Charlotte Gaertner

Bloglandkarte

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Frische Zeltlektüre

Liebe auf den ersten Schritt.

Drei Tage Wandern bei El Chaltén

Nach Touren bei Bariloche, dem Spaziergang mit Magellan-Pinguinen auf der Isla Magdalena und dem W-Trek durch den Torres del Paine Nationalpark, wurde El Chaltén zur letzten Station meiner dreiwöchigen Patagonien-Reise. Und was für eine: Denn bei El Chaltén liegt der Nationalpark Los Glaciares und bietet beeindruckende Aussicht auf das Gebirgsmassiv um den Mount Fitz Roy. Ich verliebte mich mit dem ersten Wanderschritt in das Panorama und wäre liebend gern viel länger als drei Tage in El Chaltén geblieben. Aber trotz der kurzen Zeit ließ sich so einiges erleben. Was das war, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Die Ankunft in El Chaltén.

Wie alle kleinen Städte auf patagonischem Gebiet hat auch El Chaltén eher eine Start- und Landebahn als einen ausgewachsenen Flughafen und dadurch weniger günstige Fluganbindungen. Der nächstgelegene größere Flughafen liegt etwa 200 Kilometer entfernt bei El Calafate. Von hier gibt es Anbindungen bis nach Buenos Aires.

Da ich zuvor den W-Trek im Torres del Paine Nationalpark auf chilenischer Seite Patagoniens absolviert habe, von wo aus keine Flugverbindungen in das argentinische Gebiet existieren, bin ich zunächst mit dem Bus nach El Calafate gefahren. Von dort ging es ebenfalls mit dem Bus weiter nach El Chaltén. Die Fahrt dauert etwa drei Stunden und ist sicherlich die bequemste Variante, wenn man nicht mit dem (Miet-) Auto anreist. Übrigens: viele Busverbindungen starten frühmorgens und nehmen mittags die abreisenden Wanderer aus El Chaltén wieder mit zurück nach El Calafate. Die meisten Busse halten im Rahmen der Rückfahrt auch am Flughafen von El Calafate, falls man von dort ab- oder weiterreisen möchte. Mehr zu meinem Reiseplan für Patagonien und zur Planung der Fortbewegungsmittel erfahrt ihr hier.

Diese Wanderkarte erhält man kostenfrei bei Besuch des Nationalparkcenters.

Bei Anreise mit dem Bus ist ein kurzer Abstecher in das Nationalparkcenter vor Ankunft am Busbahnhof eingeplant. Wie in allen Nationalparks, die ich während meiner Patagonien-Reise besuchte, gibt es hier viele Informationen rund um das Wandergebiet. Zudem kann man sich für bestimmte Wanderungen registrieren und erhält nützliche Sicherheitshinweise. In diesem Fall gab es zusätzlich eine kleine, kostenlose Wanderkarte, die ich als sehr praktisch und für meine Bedürfnisse völlig ausreichend empfand.

Hinweise zum Besuch des Nationalparks Los Glaciares.

Der Besuch des Nationalparks Los Glaciares ist von El Chaltén aus kostenfrei und nur wenige Touren sind registrierungspflichtig. Wie überall wird auf die grundlegenden Regeln hingewiesen: Bitte nehmt alles, was ihr mit in die Natur bringt, wieder mit zurück – dazu zählt insbesondere Müll. Beachtet auch, dass ihr beim Verrichten dringlicher Bedürfnisse genügend Abstand (=mind. 300 Meter) zu Gewässern einhaltet, um auch künftig die Trinkwasserqualität im Park zu erhalten.

Von allen patagonischen Nationalparks, die ich besuchte, hat mich der Los Glaciares Nationalpark bei El Chaltén am nachhaltigsten beeindruckt. Umso trauriger war es zu sehen, dass ich hier verhältnismäßig viel Müll vorfand. Einmal sammelte sich dieser direkt an einem Bachlauf nahe des Campamento Poincenot – darunter auch Taschentücher und Tampons. Gerade Produkte, die eventuell chlorgebleicht wurden, machen der Natur den Abbau schwer. Daher kommen auch die verstärkten Aufrufe der patagonischen Nationalparkaufsichten, Müll unbedingt wieder mit zurück in die Stadt zu nehmen und dort ordnungsgemäß zu entsorgen. Dafür nutze ich meist einen Zip-Beutel, den ich luftdicht verschließen und so unbeschadet mit mir herumtragen kann. Wenn möglich, sammle ich den gefundenen Fremd-Müll auf und nehme ihn ebenfalls mit ins Tal. Ich kann nur dazu aufrufen, das auch zu tun – die Nationalparkaufsichten können den zunehmenden Besuchern  kaum gerecht werden und die Natur dankt es uns.

Tag 1: Von El Chaltén zum Campamento Poincenot und zur Laguna de los Tres.

Der Ankunftstag in El Chaltén hatte es ganz schön in sich: Nach der dreistündigen Busfahrt von El Calafate aus nach El Chaltén und der Einführung im Nationalparkcenter, bemerkte ich, dass ich statt den geplanten Pausentag zu genießen noch direkt zur Laguna de los Tres aufbrechen könnte. Auf diese Weise würde ich noch ein dritte Wanderung während meines Aufenthalts in El Chaltén schaffen. Die Route, die mir dafür vorschwebte, wurde mir einige Tage zuvor von anderen Trekkern bei einem gemeinsamen Essen kurz vor meiner letzten Tour im Nationalpark Torres del Paine empfohlen. Und sollte mich tatsächlich zwei Tage später zu einer beeindruckenden Aussicht auf das Gebiet um El Chaltén führen. Aber von vorn.

Gut ausgeschildert ist halb gewonnen.

Ausblick auf das Massiv des Mount Fitz Roy bei El Chaltén mit Charlotte vom Rausgier Blog und ihrem roten Trekkingrucksack.

Ganz große Bergliebe am Mount Fitz Roy bei El Chaltén.

Nachdem ich meinen Rucksack am Busbahnhof auf meinen Rücken gehievt hatte, machte ich mich direkt auf den Weg zur Laguna de los Tres. El Chaltén ist ein kleines Mekka für Naturliebhaber und Aktivurlauber. Daher bietet es hervorragende Voraussetzungen: Eine gute Infrastruktur mit Outdoorgeschäften (allerdings meist zu etwas teureren Preisen), Supermärkten und guter Ausschilderung der Wanderwege. Dass man sich innerhalb der Stadt gelegentlich kurz orientieren muss, bleibt nicht aus. Dennoch ist man meist flink wieder auf dem Weg, auf dem man sein sollte.

Rotes Zelt von Hilleberg im Wald auf dem Campamento Poincenot bei El Chaltén.

Wie ein gemütliches Wohnzimmer: Das kostenlose Campamento Poincenot mitten im Wald.

So erreichte ich nach einem kleinen Aufstieg recht schnell das auf dem Weg zur Laguna de los Tres gelegene kostenlose Campamento Poincenot. Mitten im Wald baute auch ich mein Zelt auf, da ich wenig große Lust verspürte, es auf dem letzten Kilometer zur Laguna de los Tres auf dem Rücken zu haben. Mit leichtem Gepäck und nach einer kleinen Pause machte ich mich schließlich auf den Weg zum Sonnenuntergang mit Aussicht auf den Mount Fitz Roy.

Schaufel im Wald als Toilette am Campamento Poincenot bei El Chaltén.

Idyllisch und zweckmäßig: „Toilette“ am Campamento Poincenot.

Über den letzten Kilometer zur Laguna de los Tres hört man tatsächlich recht viel, wenn man während der Reise durch Patagonien andere Trekker trifft. Denn auf dem Weg macht man noch einmal rund 400 Höhenmeter, die unter anderem über Geröll führen. Gute Trittscherheit ist hier insbesondere bei starken Winden erforderlich, da der Weg doch recht ausgesetzt ist und man auch unter gemäßigten Bedingungen gute Kondition benötigt. Sobald man die Steigung aber bewältigt hat, gibt es den größten Lohn: eine spektakuläre Aussicht, die man nicht so schnell vergessen wird.

Ein Panorama für Genießer.

Laguna de los Tres und Mount Fitz Roy bei El Chaltén.

Die Laguna de los Tres mit Mount Fitz Roy im Hintergrund.

Dabei ist natürlich der Mount Fitz Roy der Hauptdarsteller. Doch auch die Nebendarsteller sind nicht zu verachten. Allen voran die Laguna de los Tres. Ihr in der Sonne schimmerndes klares, blaues Wasser spiegelt die umgebende Bergwelt beeindruckend wieder und sorgt so für Gänsehautmomente.

Vogel fliegt über Steinfelsen an der Laguna de los Tres bei El Chaltén.

Mit Schwung in den Himmel.

Man hört, dass der Mount Fitz Roy etwa 360 von 365 Tagen im Jahr in Nebel gehüllt sein soll. Deswegen wird er in der Sprache der Tehuelche-Indianer, der Ureinwohner der Region, auch Chaltén genannt. Das bedeutet „der Rauchende“ und spielt auf die häufig an der Spitze des Berges sichtbaren Wolken an. Aufgrund dieser Benennung des Mount Fitz Roy heißt die nahegelegene Stadt auch El Chaltén.

Türkisfarbener See nahe der Laguna de los Tres unterhalb des Mount Fitz Roy Massivs.

Fast übernatürlich schön: Nebensee an der Laguna de los Tres.

Wer dem Fitz Roy nahe sein möchte, findet mit der Laguna de los Tres den perfekten Ort dafür. Weiter, oder besser: höher hinaus geht es nur für äußerst erfahrene Kletterer. Alle, die den 3406 Meter hohen Berg besteigen wollen, müssen nicht nur der schwierig zu erklimmenden Form des Mount Fitz Roy, sondern auch den für Patagonien üblichen herausfordernden Wetterverhältnissen trotzen. Von denen bekam ich während meines Aufenthaltes in El Chaltén kaum etwas zu spüren. So genoss ich bei einem ausgiebigen Aufenthalt unter diesem beeindruckenden Berg die Aussicht und pflegte meine neue Vorliebe für dieses ganz besondere Blau der Laguna de los Tres und eines scheinbar namenlosen Sees nebenan.

Der erste Tag im Überblick.

Distanz: 16,8 Kilometer, ca. fünf Stunden (mit so einigen Foto-Pausen).

Höhenmeter: 1570 Höhenmeter.

Tipp: Wenn man diese Tour mit schwerem Gepäck wagt, lohnt es sich, dieses am Campamento Poincenot unterhalb der Laguna de los Tres zurückzulassen. Der folgende letzte Kilometer hat mit gut 400 zu überwindenden Höhenmetern eine Steigung von 40% und ist insbesondere bei den für Patagonien üblichen starken Winden als recht gefährlich einzustufen. Zudem kann man, sofern man die Zeit dafür hat, vom Campamento Poincenot am nächsten Tag zur Laguna Torre weiterwandern. Auch dort gibt es ein Camp, man schafft es aber auch problemlos zurück nach El Chaltén.

Tag 2: Vom Campamento Poincenot zur Laguna Torre und zurück nach El Chaltén.

Nach dem länger als geplanten Aufenthalt an der Laguna de los Tres, genoss ich die Abendstimmung im Campamento Poincenot. Durch die einfache Ausstattung des Camps hat man alles, was man braucht: ganz viel Besinnung auf das Wesentliche. An einem nahegelegenen Bachlauf kann man nicht nur frisches Trinkwasser tanken – es ließ sich am nächsten Morgen auch hervorragend der Schlafsand aus den Augen spülen.

Bachlauf mit Gebirgsmassiv und grünen Sträuchern, an denen sich Charlotte vom Rausgier-Blog wäscht.

Wach werden mit nahezu eiskaltem Wasser an einem Bachlauf nahe des Campamento Poincenot.

Nach dem Frühstück ging es weiter in Richtung Laguna Torre – oder anders gesagt: mit Teil II von „Aussichten, die einen fast um den Verstand bringen“. Über enge Pfade zwängte ich mich durch das Gebüsch am Uferrand eines Sees, genoss das tiefe Grün eines angrenzenden Waldgebietes und lauschte dem Klingen meiner Emaille-Tasse bei Berührung mit dem seitlichen Gestrüpp. Der Wind rauschte mir um die Ohren und ich nahm tiefe Atemzüge der klaren Luft.

Charlotte vom Blog Rausgier steht mit einem großen, roten Trekkingrucksack an einem See vor Gebirgspanorama in Patagonien.

Stehen bleiben und verlieben.

Man lief und lief – und irgendwann hatte man alle Gedanken und Erwartungen an die kommenden Ausblicke losgelassen. In diesem Moment zeigte sich der nächste Hauptdarsteller der Region um El Chaltén: Der 3128 Meter hohe Cerro Torre, dessen äußerst markante Spitze ebenso wie die des Fitz Roy gern mal in den Wolken versteckt ist (und es bei meiner Ankunft auch war).

Der spitze Granitfelsen Cerro Torre zeichnet sich am Horizont hinter einem grünem Buschland ab.

Direkt voraus: der 3128 Meter hohe Cerro Torre (hier rechterhand im Bild als vordere der drei helleren Bergspitzen).

Ein Hoch auf die Extra-Meile.

Schritt für Schritt kam ich dem Cerro Torre näher. Und damit auch dem Gletschersee am Fuße des Gletschers Grande. Dieser erstrahlt zwar nicht in so klarem Blau wie die Laguna de los Tres – aber das liegt wohl an dem Sediment, das hier im Spiel ist und macht den See mit dem Gletscher im Hintergrund auf andere Art beeindruckend.

Charlotte vom Blog Rausgier steigt über Geröll nach oben zu einem Aussichtspunkt auf den Gletscher Grande in Argentinien.

Höher hinaus, um näher am Gletscher Grande zu sein.

Steigt man entlang des Gletschersees über ein Geröllfeld ein Stück weiter nach oben, gelangt man zu mehreren kleinen Aussichtspunkten. Von hier kann man den Gletscher, die Gletscherlagune und den Cerro Torre sehen – und die Sedimentablagerungen am Gletscher Grande gut erkennen.

Nahaufnahme des Gletscher Grande mit feinen, blauen Gletscherspalten und aufgelagertem, braunem Sediment.

Der Gletscher Grande.

Im Hintergrund schieben sich die steil aufragenden und in den oberen Lagen mit Raureifeis bedeckten Ganitwände des Cerro Torre ikonisch in den Himmel – und machen ihn damit zu einem der am schwierigsten zu besteigenden Gipfel der Welt. Sicherlich ist er auch einer der schönsten. Denn wenn die Aussicht zu Fuße des Berges aus ewigem Eis, im Sonnenlicht schimmernden Geröll und tiefgrünen Farbakzenten schon so beeindruckend ist – wie mag sie dann erst von oben aussehen?

Charlotte vom Blog Rausgier mit Trekkingrucksack vor Gebirgspanorama mit Cerro Torre, Laguna Torre und Gletscher Grande.

Zurück nach El Chaltén.

Ich glaube zwar nicht, dass man sich in Patagonien jemals an dieser beeindruckenden Natur sattsehen kann, aber irgendwann brauchte ich wieder einen Schlafplatz für die folgende Nacht. Nachdem ich dem Gletscher Grande so nah wie möglich gekommen war, machte ich mich auf dem Rückweg nach El Chaltén. Hier fand ich das Camp El Relincho, in das ich mich sofort verliebte. Daher beschloss ich, für die kommenden zwei Tage hier mein Zelt aufzuschlagen.

Der zweite Tag im Überblick.

Distanz: 24,5 Kilometer, ca. sechseinhalb Stunden.

Höhenmeter: 1280 Höhenmeter.

Tipp: Das Camp El Relincho ist ein sehr schöner Zeltplatz mit gepflegten sanitären Anlagen, die durchaus ein netter Ausgleich zum Waschen an Bachläufen sind. Frisch geduscht schmecken der Burger und das Bier im B&B quasi nebenan doppelt so gut – und das Panorama drumherum tut sein Übriges. Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass ich am liebsten in El Chaltén geblieben wäre…?!

Tag 3: Wanderung zum Loma del Pliegue Tumbado.

Ich liebe es ja, vorm Zelt den Kocher aufzustellen und sich ein kleines Menü für den Abend zu kochen. Aber El Chaltén ruft quasi danach, sich abends noch ein wenig die Füße zu vertreten und in einer der Hausbrauereien einzukehren. Dort trifft man Wanderer und Kletterer aus aller Welt, das Bier ist herrlich erfrischend und es gibt meist gute Burger. Mich verschlug es ins B&B nahe des Zeltplatzes – eine gute Ausgangslage, um es nach einigen Red Ales nicht mehr allzu weit zum Zelt zu haben. Die ausgiebige Stärkung mit Burger und Pommes half mir auch, am nächsten Morgen zeitig aus dem Schlafsack zu kriechen und mich auf in Richtung Loma del Pliegue Tumbado zu machen.

Löwenzahnfeld mit Pfad auf dem Weg zum Loma del Pliegue Tumbado.

Los geht’s zum Loma del Pliegue Tumbado. 

Aussicht gut, alles gut.

Der Startpunkt für die Tour liegt vom Zeltplatz El Relincho aus am anderen Ende der kleinen Stadt am Nationalparkcenter. Allerdings ist in El Chaltén kein Weg weit und nach kurzer Zeit werden die Häuser der Zivilisation weniger und verlieren sich schließlich ganz am Horizont. Der Weg führt zunächst hinauf, bevor er sich über grüne Löwenzahnwiesen in Richtung eines Waldstücks schlängelt.

Gebirgspanorama mit Blumen in gelber Blüte bei El Chaltén.

Stehenbleiben und genießen.

Die Tour ist nur bei gutem Wetter zu empfehlen, da man sich sonst die ganze Mühe umsonst macht: Wenn die Sicht schlecht ist, sieht man auf dem Loma del Pliegue Tumbado nichts vom umgebenden Gebirgspanorama. Ist die Sicht gut, hat man im Gegenzug ziemlich viele Aussichten, an denen man sich aufhalten kann. Aus diesem Grund ist es auch ratsam, wirklich zeitig loszugehen. Wie immer in den Bergen, kann sich insbesondere in der Mittagszeit das Wetter noch einmal ändern oder instabil werden. Gerade in Patagonien ist das keine Seltenheit und obwohl ich bei bester Sicht loszog, wurde es zum Mittag hin doch etwas diesig.

Vom Grün ins Geröll.

Geröllfeld mit der Spitze des Mount Fitz Roy am Horizont.

Noch versteckt er sich, der Mount Fitz Roy.

Bevor der Weg aus dem Wald ins Geröll führen würde, nutzte ich den Schatten der Bäume, um eine Rast zu machen. Der weitere Weg sollte bald ansteigen – und ich konnte schon die Spitze des Fitz Roy erkennen. Während der erste Teil des Geröllfeldes noch recht entspannt zu begehen war, verlangte der letzte Kilometer mal wieder etwas Restenergie. Der Wind nahm zu, aber die versprochene Aussicht rückte näher.

Cerro Torre, Gletscher Grande, Laguna Torre und Mount Fitz Roy bei El Chaltén mit Charlotte vom Blog Rausgier.

Alle beieinander: Cerro Torre, Gletscher Grande, Laguna Torre und Mount Fitz Roy. Ach, ja – Hedwig und ich sind da auch noch.

Und dann stand ich oben auf dem Loma del Pliegue Tumbado. Es war der letzte Tag mitten in der Wucht patagonischer Natur. Der Wind bließ mir ins Gesicht. Ich blickte auf den Gletscher Grande, an dessen Fuß ich gestern noch stand. Sah die Laguna Torre. Und den Cerro Torre, dessen Spitze sich in einer Wolke versteckte. Mit dem Mount Fitz Roy fügte sich das Bild zusammen. Und eins von mir und meiner kleinen Schneeeule Hedwig vor diesem unvergleichlichen Panorama enstand.

Press: Play.

Der Loma del Pliegue Tumbado wurde zum Endpunkt meiner Reise durch Patagonien, aber zum Anfang von etwas Neuem. Meine Wanderschuhe passten mir schon immer gut. Aber sie haben mir zuvor noch nie so viel abverlangt. Und soviel zurückgegeben. Manchmal hat man Angst, in einen Flieger zu steigen und ans andere Ende der Welt zu fliegen. Vor allem, wenn man dort sein Zelt aufstellen will und nicht weiß, was einen dabei erwartet. Vielleicht denkt man, es ist ohnehin sinnlos und der allergrößte Quatsch. Aber womöglich lernt man ganz weit weg von Zuhause eine neue Seite von sich kennen, die viel stärker ist, als man denkt. Und dann – dann schwindet ganz langsam auch die Angst davor, beim nächsten Mal die Latte ein klein wenig höher zu hängen. Auf den Versuch kommt es an.

Der dritte Tag im Überblick.

Distanz: 22 Kilometer, ca. fünfeinhalb Stunden.

Höhenmeter: 2310 Höhenmeter.

Hinweis: Ich empfehle, diese Tour ausschließlich bei gutem Wetter zu unternehmen – damit man auch etwas von der Aussicht hat.

Tipp: Abstecher zum Gletscher Perito Moreno.

Wer mehr vom Nationalpark Los Glaciares sehen möchte, kann einen Abstecher nach El Calafate unternehmen und gelangt von dort zum Gletscher Perito Moreno. Der Eisgigant ist einer der wenigen Gletscher, die sich im Equilibrium befinden. Das heißt, er zieht sich nicht zurück, dehnt sich aber auch nicht aus. Auf meinem Weg aus dem Nationalpark Torres del Paine nach El Chaltén habe ich daher zwei Nächte in El Calafate eingeplant und für eine Tagestour zum Gletscher genutzt.

Touristenattraktion aus Eis.

Viele Unterkünfte in El Calafate bieten die Buchung eines Ausflugs zum Gletscher an. Es lohnt sich, die Preise vor Ort zu vergleichen: Der Perito Moreno ist eine Touristenattraktion und das hat dementsprechend seinen Preis. Für die Anfahrt werden mindestens 400 A$ fällig, was etwa 25 Euro entspricht. Der Eintritt in den Los Glaciares Nationalpark kostet dann auch noch einmal 250 A$ (ca. 16 Euro). Zusätzlich kann man sich für eine Bootstour entscheiden oder gar Ice-Hiking auf dem Gletscher unternehmen. Bei Interesse daran sollte man die Angebote schon in El Calafate prüfen und buchen, um zu vermeiden, am Ende keinen Platz mehr zu ergattern.

Der Gletscher Perito Moreno in Argentinien in einer seitlichen Aufnahme, blauschimmernd.

Eisgigant im Equilibrium: der Gletscher Perito Moreno.

Ich entschied mich dafür, zum Perito Moreno Gletscher zu fahren und vor Ort ohne Sonderprogramm das Gelände selbst zu erkunden. Das Areal um den Gletscher ist gut gesichert: Über Holzstege mit Optionen, verschiedene Routen zu gehen, gelangt man recht nah an den Gletscher heran. So kann man dessen unglaubliche Höhe von bis zu 70 Meter über dem Wasser bestaunen. Die Wege sind blau, gelb und rot markiert – dabei ist die blaue Route auch barrierefrei zugänglich.

Jahrtausende in Bewegung.

Nahaufnahme der Eisspitzen des Gletscher Perito Moreno in Argentinien.

Spitzenmäßige Eisformation.

Im Gegensatz zu vielen anderen Gletschern, die ich während meiner Patagonien-Reise erleben durfte, befand sich der Perito Moreno in ständiger Bewegung. „Brrr, Chrrrrr, Krrrr“, machte es in den Eismassen. Inmitten der Stille der umliegenden Natur ergab das eine beeindruckende Stimmung, die sich gut an den zahlreichen Aussichtspunkten mit Sitzplätzen genießen ließ. Hin und wieder brach von dem etwa 30 Kilometer langem Auslassgletscher ein Eisbrocken ab und stürzte in den Lago Argentino. Auch wenn ich glaubte, das Abbruchgeräusch sei laut, so übertraf es der Lago Arentino mit einem dumpfen Klang in dem Moment, wenn der Eisbrocken in seinen Tiefen versank. Ohne Frage – der Perito Moreno Gletscher ist beeindruckend und lohnt einen Besuch. Ob man jeden Spaß auf und um ihn mitmachen muss, ist die andere Frage. Für mich war es ausreichend, den Giganten aus der nächstmöglichen Nähe zu bewundern und die meditative Ruhe zu genießen, die seine jahrtausendealten Eismassen auf mich ausstrahlten.

Informatives.

Einen allgemeinen Überblick zu meiner Patagonien-Reise und ihrer Stationen findet ihr hier.

Anreise

Flugzeug

Wenn man nach El Chaltén mit dem Flugzeug möchte, ist die Anreise über El Calafate ratsam. Der Flughafen ist gut an das argentinische Netz angebunden, sodass auch die Anreise direkt von Buenos Aires aus möglich ist.

Bus

Von El Calafate aus gibt es zahlreiche Busverbindungen nach El Chaltén. Viele Verbindungen starten am frühen Morgen, sodass auf dem Rückweg Abreisende wieder eingesammelt und mit nach El Calafate (meist zum Flughafen) genommen werden können. Die Anreise von El Calafate dauert etwa drei Stunden und kostet hin und zurück um die 660 A$ (ca. 20 Euro).

Kosten

Nationalpark Los Glaciares, El Chaltén

In der Umgebung von El Chaltén befindet sich der Nationalpark Los Glaciares, für den vor Ort keine Gebühr erhoben wird.

Nationalpark Los Glaciares, Perito Moreno Gletscher

Bei der Anreise von El Calafate in den Nationalpark Los Glaciares zum Perito Moreno Gletscher werden 250 A$ (rund 16 Euro) fällig.

Nationalparkcenter

Das Nationalparkcenter von El Chaltén befindet sich direkt am Ortseingang auf der anderen Flussseite. Es hat täglich von 9:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Dort erhält man viele Informationen rund um die Touren im Nationalpark und kann sich eine kostenlose Wanderkarte mitnehmen. Außerdem findet hier die Anmeldung für registrierungspflichtige Routen statt.

Zeltplatz El Relincho in El Chaltén in der Abendsonne mit Regenbogen am Himmel.

Camping in El Relincho.

Zelten bei und in El Chaltén

Viele Camps im Nationalpark sind kostenlos – so auch das Campamento Poincenot am Fuße der Laguna de los Tres, in welchem ich übernachtete. Es gibt zahlreiche weitere Camps, die in der Karte zu Beginn des Artikels eingezeichnet sind.

Die zweite Nacht in El Chaltén verbachte ich auf dem Campingplatz El Relincho:

San Martí­n 219, El Chaltén, Santa Cruz, Argentinien

Telefon: +54 2962 49-3007

Tipp

Unweit des Zeltplatzes El Relincho in El Chaltén befindet sich das B&B  (San Martín 351). Dort gibt es erfrischendes Red Ale und leckere Burger, die nach dem ein oder anderen Tag inmitten des Panoramas des Los Glaciares Nationalparks ganz besonders gut schmecken.

Hinweis: Ich nutze keine Affiliate-Links oder Ähnliches. Alle Tipps und Hinweise auf diesem Blog entsprechen meiner ganz persönlichen Meinung und sowohl meine Touren als auch meine Ausrüstung sind selbst ausgewählt bzw. geplant. Ich betreibe diesen Blog ausschließlich privat, weil ich gern über meine Abenteuer und meine Gedanken zu ihnen schreibe und mich freue, sie auf diese Weise mit euch teilen zu können.

Und ihr so?

Ich weiß, ich erwähnte es schon, aber: Ich will zurück! El Chaltén hat mich wirklich begeistert. Wart ihr schon einmal da und ging es euch ähnlich? Oder habt ihr jetzt große Lust, auch mal vorbeizuschauen? Ich freue mich auf eure Meinungen.

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