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Charlotte Gaertner

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Frische Zeltlektüre

Interview mit Magellan-Pinguin.

Alles rund um euren Besuch der Magellan-Pinguine auf der Isla Magdalena in Chile

Frida und Hugo leben als Magellan-Pinguin-Paar auf der Isla Magdalena, wo sich die größten Pinguinkolonien Südchiles befinden. Dort halten sie sich während der Brutzeit von September bis spätestens April auf. Der weiche Boden der Insel bietet die besten Voraussetzungen für sie, um Höhlen zu graben. Frida und Hugo nutzen ihre Höhle dieses Jahr auch für die Brut. Frida ist vier Jahre alt und Hugo sechs – das perfekte Alter für Magellan-Pinguine, um erstmalig Eltern zu werden.

Gestatten, Frida und Hugo – Magellan-Pinguine.

Frida hat, wie all ihre Freundinnen, zwei Eier gelegt. Um die kümmert sie sich gemeinsam mit Hugo völlig gleichberechtigt. Sobald ihre Pinguin-Babys geschlüpft sind, gehen Frida und Hugo dann im Wechsel auf die Jagd. Frida ist schon ziemlich aufgeregt und kann es kaum erwarten, ihren Nachwuchs kennenzulernen. Hugo ist da noch entspannt. Er genießt die Zeit mit seinen Kumpels, bevor sie alle die Familienpflicht in die Bruthöhlen und auf die Jagd lockt. Nächstes Jahr kommen die beiden auf jeden Fall wieder, um erneut Eltern zu werden. „Auf der Isla Magdalena sind wir glücklich“, sagt Hugo. Grund genug, um mit beiden über ihr Leben als Pinguine und auch ein wenig über das Glück zu reden…

Freuen sich, euch kennenzulernen: Frida und Hugo, zwei Magellan-Pinguine.

Ein Gespräch auf der Isla Magdalena.

Ich treffe Frida und Hugo Mitte November 2017 vor ihrer Höhle auf der Isla Magdalena. Es ist vormittags, und zwei Bote haben kurz zuvor am Steg der Insel angelegt. Rund 30 Touristen kommen auf die Insel, um mit den Magellan-Pinguinen spazieren zu gehen. Das Besondere ist, dass man die Pinguine hier in ihrer natürlichen Umgebung erleben kann. Und das heißt dann auch: Pinguine haben Vorfahrt, wenn sie den für Touristen markierten Weg queren. Für die mit rund 70 cm Größe doch recht kleinen Pinguine bleibt man sehr gern stehen – und würde am liebsten Hand in Hand mit ihnen weiterwatscheln.

Pinguine haben Vorfahrt.

Außerhalb der Markierung ist das zum Schutz der Pinguine jedoch nicht erlaubt. Deshalb warten Frida und Hugo am Rande einer Wegbiegung an der Markierung auf mich. Sie haben ganz in der Nähe ihre Bruthöhle. Aber da sie nur einmal am Tag für gut eine Stunde ihre Insel mit Touristen teilen müssen, ist das für sie kein Problem. Ich bin gespannt, was die beiden zu erzählen haben und nehme am Wegesrand Platz.

Leinen los und ab ins Pinguin-Land: Früh morgens am Hafen kurz vor der Fahrt zur Isla Magdalena.

Wie die Pinguine auf die Isla Magdalena finden.

Charlotte: „Frida, Hugo – ich freue mich sehr, dass ihr euch ein wenig Zeit für mich nehmt. Ich bin heute morgen ganz früh aufgestanden, um euch zu besuchen. Und ich muss sagen, die anderthalbstündige Fahrt über raues Wasser hat sich jetzt schon gelohnt.“

Hugo: „Wieso?“

Charlotte: „Weil ich wirklich froh bin, euch zu sehen. Ich hatte gerade den ersten Schritt auf der Insel getan und war schon unfassbar glücklich… euch und eure Kolonie zu erleben, hat mein Herz einfach sofort höher schlagen lassen.“

Frida: „Das kann ich nachvollziehen. Wir freuen uns auch immer, auf die Insel zurückzukehren.“

Charlotte: „Das ist immer im September, richtig?“

Hugo [lacht]: „Naja… wir haben nicht wirklich einen Kalender, so wie ihr Menschen… bei euch ist ja schnell mal alles durchgeplant. So sind wir Magellan-Pinguine nicht.“

Antrieb zum Nestbau: Der Pinguin-Brut soll es gut gehen. Und dabei hilft auch das Gras der Insel.

Frida: „Wenn es Zeit ist, schwimmen die Männchen zur Isla Magdalena, um die Nester vorzubereiten und zu prüfen, ob sie nicht anderweitig besetzt sind. Wir Weibchen kommen erst etwas später dazu.“

Charlotte: „Und das machen alle Pinguin-Paare so?“

Frida und Hugo nicken einstimmig.

Charlotte: „Wie findet ihr euch dann?“

Frida: „Durch unseren Ruf.“

Hugo: „Wenn unsere Weibchen die Insel erreichen, kommen wir ihnen entgegen – und rufen uns. So finden wir zueinander.“

Ein Leben. Eine Liebe. – Im besten Fall.

Charlotte: „Ach, toll. Stimmt es eigentlich, dass ihr ein Leben lang zusammenbleibt?“

Pssst, leise sein: Hier wird gebrütet.

Frida [schaut Hugo verliebt an]: „Wenn wir uns gefunden haben, bleiben wir solange zusammen, wie es unser Leben zulässt.“

Hugo: „Man steckt da ja nicht drin… allein von den Jungtieren überleben nur 30 bis 50% das erste Jahr. Und auch unserem Leben als Zugvögel fallen einige unserer Freunde zum Opfer. Wenn wir auf die Insel zurückkehren, hoffen wir, dass auch unsere Partnerin unser gemeinsames Nest erreicht.“

Frida: „Und umgekehrt hoffe ich als Hugo’s Partnerin natürlich, dass Hugo es zuvor auf die Insel geschafft hat.“ Frida macht eine Pause und ergänzt dann: „Sollte Hugo nicht da sein, so würde ich mir einen neuen Partner suchen – aber sofort zu Hugo zurückkehren, wenn er doch noch den Weg zur Insel findet.“

Hugo: „Das würde ich genauso machen. Aber Frida ist und bleibt meine allergrößte Liebe.“

Frida: „Und Hugo meine. Aber wenn etwas dazwischen kommt, dann bleiben wir nicht allein. An den zweiten Partner sind wir zunächst aber nicht ganz so eng gebunden wie an unseren ersten…“

Charlotte: „Wie meinst du das, Frida?“

Frida: „Naja… Sollte Hugo nicht auftauchen, so würde ich mir einen neuen Partner für das Eierlegen und Brüten suchen. Aber wenn im Jahr darauf ein jüngerer Partner Interesse bekundet, so würde ich ihm den Vorrang geben und mit ihm in den folgenden Jahren zusammenbleiben.“

Charlotte: „Ach.“

Hugo: „Das ist ja auch sinnvoll – und ich denke, wir würden im Sinne unseres Nachwuchses alle so vorgehen.“

Charlotte: „Ich glaube, wir Menschen sind da nicht immer so konsequent… oder gar pragmatisch.“

Störfaktor Mensch.

Hugo: „Was man so hört, habt ihr dafür ganz andere Probleme… Manche Menschen suchen sich, auch wenn sie einander versprochen haben, noch einen Partner, den sie so nebenbei haben…“

Charlotte: „Woher weißt du das, Hugo?“

Hugo: „Och, man schnappt hier so einiges auf… Obwohl sie eigentlich leise sein sollen, wenn sie uns besuchen, quatschen die Menschen doch ganz schön häufig recht laut, wenn sie den Weg hier entlang gehen.“

Charlotte: „Ach. Das kann und will ich eigentlich nicht glauben… es ist so friedlich hier.“

Frida: „Aber es stimmt, leider. Die Menschen stören uns damit recht häufig. Dabei ist das hier unser Lebensraum. Hier sind wir geschützt, hier auf der Insel haben wir keine Feinde. Hier können wir zusammen sein, uns um unsere Brut kümmern. Wir fühlen uns hier einfach wohl. Es ist zwar schön, dass ihr Menschen uns hier für einen kurzen Augenblick besuchen könnt und uns macht das im Grunde auch nichts aus, aber etwas mehr Respekt hin und wieder wäre schon angebracht.“

Hugo: „Wir werden so schon immer weniger…“

Frida: „Da sind wir froh, wenn wir hier auf der Insel weitgehend in Sicherheit sind. Und ich bin auch ganz ehrlich: mehr Menschen, die öfter am Tag kommen, müssen es nun wirklich nicht sein.“

Charlotte: „Das verstehe ich sehr gut. Und ich kann das in gewisser Weise auch nachvollziehen, wenngleich das bei mir sicherlich nicht ein so drängender Wunsch ist wie bei euch. Aber ich habe auch meine Momente, in denen ich mich von anderen einfach nur gestört fühle und meine Ruhe brauche. Sozusagen eine kleine, eigene Insel der Glücksseligkeit. Vielleicht so etwas, wie ihr es hier habt. Oder würdet ihr das anders beschreiben?“

„Hallo, du da!“: Ein Magellan-Pinguin kommt aus seiner Höhle hervor.

Hugo: „Wir Pinguine beschäftigen uns mit sowas eigentlich nicht wirklich. Aber wenn man den Menschen, die unsere Insel besuchen, hin und wieder mal zuhört, dann fällt auf, dass Dinge Glück für sie bedeuten. Neulich war ein Fotograf hier und ich habe gehört, wie er seiner Kamera zugemurmelt hat: ‚Dass ich dich habe, ist Glück.‘ Die Kamera muss echt was Besonderes sein!“

Das große Glück im kleinen Moment.

Frida: „Ja, trotzdem gibt es da auch andere. Neulich war ein kleiner Junge mit seiner Familie hier. Und er hat zu seinen Eltern gesagt: ‚Mami, Papi – ich bin gerade einfach glücklich. Es ist so schön hier!'“

Charlotte: „Haha, naja… Vielleicht war der Fotograf glücklich darüber, eine Kamera zu haben, die tolle Bilder macht. Und der kleine Junge war in dem Moment vermutlich einfach glücklich, hier zu sein. Ob man das Glück an einen Gegenstand oder eine Situation bindet – erlaubt ist, denke ich, beides.“

Hugo: „Ja, das glaube ich auch. Vor allem aber glaube ich, dass man keine Erlaubnis für Glück braucht, so wie du es gerade sagst. Ich glaube, das ist ganz oft das Problem.“

„Glaub mir: Alles wird gut, Kumpel“: Pinguine sind äußerst soziale Wesen. Sie gehen auch zusammen auf die Jagd.

Charlotte: „Wie meinst du das?“

Hugo: „Um glücklich zu sein, brauchte der Fotograf seine Kamera und der kleine Junge den Besuch hier bei uns auf der Insel. Das wirkt so, als wenn es eine Voraussetzung bräuchte, um glücklich zu sein. Wir Pinguine leben im Moment. Natürlich ist es toll, wenn die Kleinen schlüpfen und überleben – oder wenn ich Frida nach einem guten halben Jahr Trennung hier an unserer Bruthöhle wiedersehe… aber wir sind Pinguine. Wir werden größer und älter…“

Frida [streckt ihre Brust und zeigt auf einen Streifen, der nahe ihrer Flossen über die Brust verläuft]: „Unser Alter erkennt man übrigens an diesem Streifen: je dicker er ist, desto älter sind wir. Die Jungtiere haben, nachdem sie ihr Daunengefieder abgelegt haben, noch keinen solchen schwarzen Streifen.“

Hugo: „Stimmt! Aber… was ich sagen wollte, ist: Wir Pinguine sind mit dem Moment beschäftigt. Wir jagen im Meer viel Fisch und Krill, um uns und unsere Familie zu versorgen – aktuell brüten wir. Unser Leben ist da vielleicht nicht ganz so kompliziert wie eures und bietet womöglich mehr Freiraum.“

Charlotte: „Hm, vermutlich. Trotzdem gibt es auch bei uns Menschen Tätigkeiten, die Endorphine freisetzen und so für Glücksgefühle sorgen. Essen zum Beispiel. Aber Essen macht mich nicht annähernd so glücklich, wie hier mit euch zu sitzen. Ich fühle mich wohl, bin entspannt und – ja, bin ganz da. Das ist vermutlich das, was du meinst, wenn du sagst: Ihr seid mit dem Moment beschäftigt.“

Hugo: „Das glaube ich auch. Wir machen das nicht bewusst. Aber wie gesagt: Hier auf der Insel haben wir keine Feinde, wir haben unsere Höhlen hier, wir haben das Meer, um zu jagen… und wenn ich hier bin, mich gemeinsam mit Frida um unsere Eier kümmere, dann denke ich nicht daran, dass morgen ein Hochwasser vielleicht unsere Höhle fluten und unser Nachwuchs dabei umkommen könnte. So wie es ist, ist es.“

Frida: „Das stimmt. Wir beschäftigen uns einfach nicht so sehr mit dem ‚Hätte-Wäre-Wenn‘, wie ihr Menschen das hin und wieder macht.“

Charlotte: „Klingt richtig. Wo ich jetzt so darüber nachdenke… gerade würde ich mich wirklich als glücklich beschreiben. Und ehrlicherweise habe ich mich seit langem mal wieder nur auf eine Sache konzentriert. Nämlich mit euch zu reden.“

Frida: „Und, wie findest du das?“

Charlotte: „Wirklich gut.“

„Ich bin der Größte!“

Auf dem Rückweg.

Nach unserem Gespräch wird es Zeit, die Insel zu verlassen – auch, wenn ich am liebsten bleiben würde. Doch das hier ist Pinguin-Land und ich bin nur für einen kleinen Augenblick geduldet. Die Magellan-Pinguine werden bald viel zu tun haben, wenn die Jungtiere geschlüpft sind. Und ich hoffe, dass sich alle Pärchen wiederfinden, wenn sie nach dem Verlassen der Insel für die nächste Brut-Saison wiederkehren. Dann wird es für Frida und Hugo schon das zweite Mal sein, dass sie Eltern werden.

Die auf der Insel so entspannt umherwatschelnden Tiere haben mich sehr berührt. Umso mehr gibt es mir zu denken, dass viele von ihnen in den letzten Jahrzehnten immer mal wieder Ölteppichen aufgrund von Tankerunglücken zum Opfer fielen. Ich drehe mich noch einmal um, winke Frida und Hugo zu – und steige ins Boot.

„Auf Wiedersehen – bis hoffentlich ganz bald!“

Was es beim Besuch der Magellan-Pinguine zu beachten gibt.

Anreise

Wer mit den Magellan-Pinguinen spazieren gehen möchte, muss ganz in den Süden Patagoniens: nach Punta Arenas. Dort kommt man gut mit dem Flugzeug von Santiago de Chile oder Puerto Montt hin.

Da ich von Bariloche aus nach Punta Arenas gereist bin, musste ich aufgrund mangelnder Flugverbindungen zunächst mit dem Bus von Bariloche in Argentinien über die Grenze nach Puerto Montt in Chile. Mehr zu den Besonderheiten beim Buchen von Flügen zwischen Argentinien und Chile verrate ich in meinem Artikel „Patagonien im Schnelldurchlauf“.

Wissenswertes zur Tour

Pflicht während der Fahrt zur Isla Magdalena: Die Schwimmweste.

Die Tour startet recht früh am Morgen und endet gegen Mittag. Sie führt euch zur Isla Magdalena sowie zur Isla Marta. Zunächst wird man vom Treffpunkt in Punta Arenas mit kleinen Bussen zum Hafen gebracht. Von dort geht es mit Booten ca. 1,5 Stunden zur Isla Magdalena. Auf der Isla Magdalena hat man etwa eine Stunde Zeit für einen Spaziergang mit den Pinguinen, wohingegen die Isla Marta im Anschluss nicht betreten werden darf. Dort hält das Boot mit Abstand zur Insel und man hat freien Blick auf die Seelöwen am Inselstrand. Über die Website der Isla Magdalena kann die Tour über ein Kontaktformular angefragt werden. Eine vorherige Reservierung ist durchaus vorteilhaft, da nur einmal täglich zwei Boote mit maximal rund 30 Plätzen zur Insel fahren. Der Preis für die Tour liegt bei 60-80,- Euro pro Person.

Eine kleine Anmerkung: Wenn ihr schnell seekrank werdet, solltet ihr entsprechende Reisemedizin einpacken. Außerdem fährt das Schnellboot über recht hohe Wellen, was wohl bei dem ein oder anderen Gast hin und wieder zu Angstattacken führt. Aus diesem Grund werden bei starkem Sturm kleine Ablenkungsmanöver durch die Crew unternommen, bei denen man hin und wieder animiert wird, mitzumachen.

Hinweis: Ich nutze keine Affiliate-Links oder Ähnliches. Alle Tipps und Hinweise auf diesem Blog entsprechen meiner ganz persönlichen Meinung und sowohl meine Touren als auch meine Ausrüstung sind selbst ausgewählt bzw. geplant. Ich betreibe diesen Blog ausschließlich privat, weil ich gern über meine Abenteuer und meine Gedanken zu ihnen schreibe und mich freue, sie auf diese Weise mit euch teilen zu können.

4 Kommentare zu “Interview mit Magellan-Pinguin.

  • Warum ich nach Patagonien reiste. – Rausgier
    4. April 2018 | 21:58

    […] Interview mit Magellan-Pinguin. […]

  • Auf dem W-Trek im Nationalpark Torres del Paine. – Rausgier
    1. Mai 2018 | 20:06

    […] Interview mit Magellan-Pinguin. […]

  • Liebe auf den ersten Schritt. Drei Tage Wandern bei El Chaltén. – Rausgier
    5. Juli 2018 | 17:29

    […] Interview mit Magellan-Pinguin. […]

  • Wandern durch die Drachenschlucht bei Eisenach | Wanderung Thüringen
    13. Mai 2019 | 20:32

    […] geworden? Schaut doch mal auf ihrem Blog Rausgier rein – unser Highlight dort ist ihr Interview mit einem Magellan-Pinguin! Folgt ihr auf Instagram für (momentan) tolle Patagonienliebe Bilder (und bald sicherlich Island […]

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