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Charlotte Gaertner

Landkarte

Themenkompass

Frische Zeltlektüre

Patagonien im Schnelldurchlauf.

Das Land der Extreme in drei Wochen

Drei Wochen Urlaub sind eigentlich viel. Trotzdem stößt man schnell an Grenzen, wenn man für diese drei Wochen eine Patagonien-Reise planen und dabei möglichst viel sehen möchte. Da sich Patagonien sowohl auf chilenischem als auch argentinischem Gebiet befindet und ich beide Seiten erleben wollte, habe ich „immer an der Grenze lang“ zu meinem Reise-Motto gemacht. In diesem Artikel gebe ich euch einen Überblick über meine Patagonien-Route und verrate, warum es sich lohnt, ein Auge auf das Fernbusnetz zu haben. Detaillierte Informationen mit Tipps und Tricks folgen bald in ausführlichen Berichten zu den einzelnen Stationen meiner Reise.

Patagonien – wo liegt das genau?!

Gute Frage. Denn genaue Grenzen gibt es für das patagonische Gebiet nicht. Im Norden werden gern die Flüsse Río Bío Bío auf chilenischer und Río Colorado auf argentinischer Seite angegeben. Als südliche Begrenzung gilt die Magellanstraße. Östlich grenzt auf argentinischer Seite der Atlantik an Patagonien – und im Westen, auf chilenischer Seite, der Pazifik.

Das patagonische Gebiet grob umrissen: Feuerland ganz im Süden und die Falklandinseln im Osten zählen nicht dazu.

Die An- & Weiterreise.

Viele rollen das Feld von Süden auf und fliegen über Santiago de Chile direkt nach Puerto Natales, um von dort in den Nationalpark Torres del Paine zu gelangen. In diesem Fall lässt man das nördliche Patagonien aus, was für mich keine Option war. Daher bin ich nach Buenos Aires geflogen und von dort nach Bariloche gereist, um den Nationalpark Nahuel Huapi zu besuchen.

Grundsätzlich gilt es bei der Planung der Weiterreise von einen Ort zum nächsten zwei Dinge zu beachten:

  1. Buenos Aires und Santiago de Chile sind die Verkehrsknotenpunkte für den Flugverkehr. Über die beiden Städte werden interkontinentale und kontinentale Flughäfen angeflogen – außerdem gehen die chilenischen Inlandsflüge über Santiago de Chile bzw. die argentinischen über Buenos Aires. Leider besteht über die kleinen Flughäfen innerhalb Chiles oder Argentiniens meist keine Verbindung in das jeweils andere Land.
  2. Argentinien und Chile kann man bequem per Bus bereisen – vor allem dann, wenn man viel Zeit mitbringt. Das Fernbusnetz bietet praktische Anbindungen nicht nur innerhalb der Länder, sondern auch bei Reisen von Chile nach Argentinien und umgekehrt. Die Busse sind komfortabel und häufig mit Getränken und Snacks ausgestattet – was vor allem bei einer längeren Reise sehr angenehm ist.

Mein Tipp: Ich habe für meine Weiterreise innerhalb Patagoniens die Verkehrsmittel auch mal kombiniert. Denn möchte man beispielsweise mit dem Flugzeug von Bariloche in Argentinien nach Punta Arenas im Süden Chiles reisen, wird man über Buenos Aires und Santiago de Chile geleitet. Das bedeutet nicht nur zweimal umsteigen, sondern ist auch ein kompletter Umweg. Daher bin ich mit dem Bus von Bariloche über die Grenze nach Puerto Montt in Chile gefahren. Und von dort ging es mit dem Flugzeug nach Punta Arenas. Etwas komplizierter in der Planung – funktioniert aber auch!

Meine erste Station: Buenos Aires (2,5 Tage & 2 Nächte).

In Buenos Aires kann man sich sicherlich länger aufhalten als knapp drei Tage. Da mein erklärtes Ziel aber die Natur war, begrenzte ich den Aufenthalt in der argentinischen Hauptstadt auf das Mindeste. Hier hieß es: Ankommen, sich über noch benötigte Fernbusverbindungen informieren (das war von Deutschland aus nicht möglich), diese zu buchen und zu bemerken, dass sämtliche Bustickets nicht als e-Ticket akzeptiert werden, sondern nur in ausgedruckter Form vorgelegt werden dürfen. Daher verbrachte ich einige Zeit auf der Suche nach einem Internetcafé mit Drucker. Als Ausgleich dazu ging es in die Reserva Ecológica de Buenos Aires – einem 350 Hektar großen Naherholungsgebiet für Städter mit zahlreichen Wegen zum Spazierengehen und Picknickplätzen mit Aussicht ins Grün oder aufs Meer.

Natur in der Stadt? Gefunden! Unterwegs in der Reserva Ecológica de Buenos Aires.

Station 2: Bariloche (4,5 Tage & 4 Nächte).

Von Buenos Aires aus gelangte ich mit dem Flugzeug nach Bariloche. Als ich das erste Mal am Lago Nahuel Huapi stand, begriff ich es: Ich bin in Patagonien! Deswegen durfte meine kleine Eule Hedwig (auch bekannt als Schutzpatronin all meiner Reisen) erst einmal eine Runde über den See kreisen, bevor die Wanderschuhe fester geschnürt wurden.

Endlich in Patagonien: Hedwig und ich am Lago Nahuel Huapi.

Um Bariloche gibt es zahlreiche Tourenmöglichkeiten, zu denen man sich vor Ort im Club Andino Bariloche informieren kann. Ich habe einen Ausflug zum schwarzen Gletscher gemacht, bin zum Refugio Frey gewandert und habe dort den Sonnenaufgang genossen, bevor es wieder ins Tal und nach Punta Arenas ging.

Mein Tipp: Schaut doch nach einem langen Wandertag auf ein Bier in der Cervecería Manush vorbei (zu finden in der Calle Dr Juan Neumeyer 20). Aus einem Bier werden ganz sicher schnell zwei. Aber das ist nicht schlimm, denn gute Burger und ziemlich leckere Steaks gibt es dort auch.

Station 3: Punta Arenas (eine Nacht).

Um nach Punta Arenas zu gelangen, habe ich – wie oben beschrieben – eine etwas komplizierte Anreise in Kauf genommen: Früh am morgen ging es in einer sechsstündigen Busfahrt nach Puerto Montt, um von dort nach Punta Arenas zu fliegen. Der Grund? Pinguine! Denn nahe Punta Arenas liegt die Isla Magdalena, welche via Boot zu erreichen ist. Dort lebt eine Kolonie von Magellan-Pinguinen. Und mit der wollte ich unbedingt spazieren gehen.

Ein guter Grund für Umwege: Pinguine.

Mein Tipp: Das Hostal Buena Estancia in Punta Arenas ist nicht nur günstig gelegen, gut ausgestattet und sehr gepflegt – es hat noch dazu äußerst freundliche Gastgeber. Obwohl ich nur eine Nacht dort war und am Morgen gegen 5 Uhr für die Tour zu den Pinguinen das Hostel verließ, durfte ich mein schweres Gepäck vor Ort lagern und bekam darüberhinaus ein enorm leckeres Lunchpaket in die Hand gedrückt.

Station 4: Puerto Natales (eine Nacht).

Von Punta Arenas ging es direkt nach der Pinguin-Tour mit dem Bus weiter nach Puerto Natales. Puerto Natales ist der Ausgangspunkt für den Transfer in den Nationalpark Torres del Paine. Die meisten Hostels vor Ort übernehmen gern die Buchung eines Transfertickets bei Ankunft. Meist ist es dann sogar noch etwas günstiger als die Buchung am Busschalter.

Mein Tipp: Das Yagan House ist ein liebevoll eingerichtetes Hostel in Puerto Natales. Hier gibt es morgens leckeres Rührei als Stärkung vorm Abenteuer im Nationalpark und einen Lagerraum für alle, die nicht ihr gesamtes Gepäck mit auf den Trek nehmen müssen.

Station 5: Torres del Paine (6 Tage & 5 Nächte).

Und dann hieß es auch schon: Trekkingstöcke ausfahren und los ging es auf dem W-Trek. Ich startete meine Tour durch den Nationalpark vom Refugio Paine Grande aus, wodurch der Aufstieg zu den Wahrzeichen und Namensgebern des Parks, den Torres del Paine, ganz am Ende des Treks liegt. Die ersten Tage im Park waren durch Windgeschwindigkeiten von bis zu 130 km/h geprägt – eine Erfahrung, durch die ich sehr viel über mich und meinen Umgang mit extremen Bedingungen lernen konnte.

Ach, das ist also dieser Wind?! Auf der ersten Etappe des W-Treks zum Refugio Grey.

Mein Tipp: Während viele nach dem erfolgreich absolvierten W-Trek direkt den Park verließen, verbrachte ich auf dem Campamento Torres/Central noch einen Pausentag. Das bietet sich vor allem dann an, wenn man zuvor vom Campamento Chileno aus den Aufstieg zu den Torres del Paine mit dem Ziel, den Sonnenaufgang dort zu erleben, absolviert hat. In diesem Fall ist man am späten Vormittag am Zeltplatz Torres/Central, kann in Ruhe ein Nickerchen nachholen, Sachen trocknen und später im Refugio mit einem Bier auf den Trek anstoßen.

Station 6: Puerto Natales (eine Nacht).

Vom Nationalpark Torres del Paine aus fahren Busse als Transfer zurück nach Puerto Natales. Je nachdem, wann man den Bus nimmt, kann man von Puerto Natales weiter- oder abreisen. Ich habe eine weitere Nacht in Puerto Natales verbracht und bin am nächsten Morgen in Richtung El Calafate gestartet.

Mein Tipp: Im Baguales in der Carlos Bories 430 treffen sich viele Trekker nach dem Nationalpark-Besuch auf Bier und Burger.

Station 7: El Calafate (2,5 Tage & 2 Nächte).

Von Puerto Natales aus ging es für mich mit dem Bus wieder auf argentinische Seite nach El Calafate. Von dort gelangt man im Rahmen einer Tagestour zum Perito Moreno Gletscher – einem der wenigen Gletscher der Region, die im „Equilibrium“ sind und sich nicht zurückziehen.

Eisriese: Der Gletscher Perito Moreno bei Calafate.

Station 8: El Chaltén (2,5 Tage & 2 Nächte).

Die letzte Wanderstation meiner Reise, El Chaltén, erreichte ich im Bus von El Calafate aus. Motiviert, möglichst viel zu erleben, gönnte ich mir nach Ankunft auch keine Pause und schulterte sofort meinen Rucksack. Mein Ziel war das Camp Poincenot, von welchem aus ich die Laguna de los Tres erreichte und die Aussicht auf den Mount Fitz Roy genoss. Am nächsten Tag verschlug es mich zur Laguna Torre und von dort wieder ins Tal. Meinem letzten Wandertag setzte ich mit insgesamt etwas über 2000 Höhenmetern die Krone auf und erklomm den Loma del Pliegue Tumbado – von hier hat man einen tollen Blick auf das Bergpanorama mit dem Fitz Roy.

Ich bin dann mal sprachlos: Aussicht auf den Mount Fitz Roy (links im Bild) kurz vorm Campamento Poincenot.

Mein Tipp: Im B&B in El Chaltén (San Martín 351) gibt es äußerst leckeres Red Ale und Burger. Einfach perfekt, wenn man eine Reise oder einen Wandertag ausklingen lassen möchte.

Station 9: Buenos Aires (eine Nacht).

Von El Chaltén aus gelangte ich zunächst mit dem Bus nach El Calafate. Danach ging es mit dem Flugzeug nach Buenos Aires. Dort blieb mir ein Abend, an dem ich es mir in der Parrilla Peña (Rodríguez Pena 682) bei Rib Eye Steak und Wein richtig gut gehen ließ. Der kommende Tag hielt für mich auch noch einen kulinarischen Höhepunkt bereit: Einen wirklich-echten-richtigen Cappuccino am Morgen. Und der ist gar nicht so leicht zu bekommen – weder in Argentinien, noch in Chile. Denn beide Länder sind eher dem Tee denn dem Kaffee zugeneigt. Doch in Buenos Aires entdeckte ich einen Ort erfüllt von Kaffeeliebe: das Café Negro (Suipacha 637). Hier blieb ich dann auch noch auf Kaffee Nummer zwei.

Ist das Kunst oder darf ich das trinken? Zurück in der Zivilisation bei Cappuccino im Café Negro in Buenos Aires.

Fazit.

Ich will zurück! Patagonien hat auf vielfältige Weise eine ganz große Liebe in mir geweckt. Zum einen vermisse ich die Natur mit dem Kontrast aus verschneiten Berggipfeln und den roten Blüten des chilenischen Feuerbuschs. Mir fehlen Gletscher, vor denen man in aller Seelenruhe Platz nehmen und deren Bewegungen im Inneren man lauschen kann (…hört ihr das? Brrrch, krrchk, chrrrum). Außerdem hätte ich so gern einen Pinguin als Freund! Deswegen habe ich mir für den nächsten Besuch schon folgendes notiert:

  1. Spanisch ist eine schöne Sprache und umso schöner ist es, wenn man sie – zumindest etwas – spricht. In Buenos Aires wäre ich fast verzweifelt, da mein Spanisch zur Verständigung überhaupt nicht ausreichte und niemand (wirklich niemand) Englisch sprechen konnte oder wollte. Weiter unten in Patagonien sah es dann glücklicherweise anders aus, trotzdem ist es von großem Vorteil wenn das eigene Spanisch über ein „¡Hola“ hinausgeht…
  2. Um die Ecke denken hilft bei der Planung von Weiterreise und Verkehrsmitteln. Vor allem, wenn man nicht nur ein Land innerhalb Patagoniens sehen möchte, sondern alle zwei. Denn dann macht es Sinn, mit der Karte zur Hand nicht nur das Flugnetz, sondern eventuell passende Busverbindungen zu checken und Kombinationsmöglichkeiten zu prüfen.
  3. Fernbustickets immer ausdrucken. Auch wenn die Busgesellschaften e-Tickets anbieten, so ist nicht gesichert, dass diese auch angenommen werden. Ein Hinweis dazu findet sich meist noch in der Buchungsbestätigung.
  4. Vorsicht bei der Einfuhr von Lebensmitteln nach Chile! Hier herrschen strenge Vorschriften bzgl. der Mitnahme von Milch und Milchprodukten, Fleisch, Obst und Gemüse. Die Kontrollen an den Grenzen sind sehr scharf und sorgten für lange Wartezeit bei meiner Überfahrt nach Chile, da eine Mitreisende Bananenschalen in ihrem Gepäck hatte. Die Einreise wäre ihr beinahe verwehrt worden.
  5. Ohne Kaffee, ohne mich. Bei meiner nächsten Reise in den Süden werde ich definitiv ein kleines Päckchen Kaffee mitnehmen. Bis heute weiß ich nicht, was das für Kaffee war, den ich mir vor Ort kaufte. Ich rätselte tagelang, ob es sich vielleicht um Instantpulver handeln könnte… ? Es ist mir nach wie vor schleierhaft. Und da mir kein Kaffee vor Ort so richtig schmecken wollte (bis auf den Cappuccino im Café Negro), schaffe ich da lieber gleich Abhilfe.

3 Kommentare zu “Patagonien im Schnelldurchlauf.

  • Warum ich nach Patagonien reiste. – Rausgier
    4. April 2018 | 21:57

    […] Patagonien im Schnelldurchlauf. […]

  • Interview mit Magellan-Pinguin. – Rausgier
    4. April 2018 | 22:01

    […] Patagonien im Schnelldurchlauf. […]

  • Liebe auf den ersten Schritt. Drei Tage Wandern bei El Chaltén. – Rausgier
    5. Juli 2018 | 21:30

    […] Patagonien im Schnelldurchlauf. […]

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