instagram arrow-down
Charlotte Gaertner

Landkarte

Themenkompass

Frische Zeltlektüre

Vom Winde Patagoniens verführt…

Was mich ins Land der Gletscher trieb

Plant jemand den Umzug nach Berlin, wird gern ein Zitat von Franz von Suppé bemüht: „Du bist verrückt mein Kind, du musst nach Berlin.“ Ich bin mir sicher, dass auch ich diesen Satz zu hören bekam, als ich vor zehn Jahren zum Studium nach Berlin ging. Doch mittlerweile denke ich mir immer häufiger: „Du bist verrückt mein Kind, du musst auch mal raus aus der Stadt.“ Und das versuche ich, wann immer ich die Zeit dafür finde, zu ermöglichen. Dabei nutze ich drei Methoden: Das „Querfeldein-schlendern“, den „kleinen bis mittelgroßen Trip“ oder „die ganz große Flucht aus dem Alltag“ (mehr dazu könnt ihr übrigens hier nachlesen). In gut zehn Jahren Berlin bot sich jedoch noch nie die Möglichkeit für ein Abenteuer der ausgewachsenen Sorte – bis jetzt. Und da ich es schon immer irgendwie extrem mochte, habe ich mir als mein allererstes Großreise-Ziel Patagonien ausgesucht. Dabei sorgten die folgenden Gründe für das endgültige „Wo kann ich den Flug buchen?“-Gefühl:

Zuallererst: „Der Wind, das himmlische Kind“.

Im Nationalpark Torres del Paine spielt einer die Hauptrolle: der Wind.

Wind?! Ach, neee – hier im Nationalpark Torres del Paine in Chile nennen wir es lieber Sturm.

Für Strandurlaub konnte ich mich bisher noch nie so richtig begeistern. Strahlende Sonne, warmer Sand unter den Füßen – auch wenn ich diese Vorstellung durchaus als verlockend empfinde, so kommt sie mir nie in den Sinn, wenn ich an kommende Reiseziele denke. In meinem Kopf türmen sich dann Wolken auf, die sich dramatisch über schneebedeckte Bergspitzen ziehen. Der Wind weht über die ihm trotzende Natur, verwirbelt Erde und lässt die Felsen unter ihm gänzlich unbeeindruckt. All das ist in Patagonien Wirklichkeit und sorgt(e) bei mir für erhöhten Puls, sowie einen im Sturm der Begeisterung gedrückten Knopf mit der Aufschrift „Buchen“ bei der Airline meines Vertrauens.

Der liebenswürdige zweite Grund: Magellan-Pinguine.

Nahe Punta Arenas – auf der Isla Magdalena – kann man mit Magellan-Pinguinen spazieren gehen.

„Hach, ist das süß hier“ – ein Magellanpinguin auf der Isla Magdalena.

Ja, ich gebe es zu: Ich bin Pinguin-Fan. Diese bezaubernden Wesen im Frack sorgen bei mir für ebenso begeisterte Gefühlsausbrüche wie dramatische Landschaften. Als ich herausfand, dass man beides in Patagonien erleben kann, wollte ich das zunächst überhaupt nicht glauben.

Von Punta Arenas zur Isla Magdalena.

Doch nahe Punta Arenas liegt die Isla Magdalena. Hier lieben die Magellan-Pinguine während der Brutzeit. Im Vergleich zu den Königspinguinen, die zwischen 85 und 95 cm groß werden, sind die Magellan-Pinguine mit ihren bis zu 70 cm recht klein. Besucht man sie auf der Isla Magdalena, so sollte man sich dessen bewusst und während des Spaziergangs mit ihnen besonders umsichtig sein. Dazu gehört beispielsweise, den Weg nicht zu verlassen und den Pinguinen Vorwatscheln zu gewähren, sollten sie ihn kreuzen. Das Vermeiden lauter Geräusche, welche die Pinguine aufschrecken könnten, gehört auch dazu. Wenn man all das beherzigt, erlebt man äußerst glückliche Pinguin-Momente (und diese zudem ganz besonders nah).

Weitere Informationen zur Pinguin-Tour, wie man sie bucht und was es zu beachten gibt, erfahrt ihr hier.

Grund drei wird eisig: Gletscher.

Der Gletscher Grey im Nationalpark Torres del Paine in Chile hat sich schon weit zurückgezogen.

Neue Lieblingsfarbe: Gletscherblau am Beispiel des Gletschers Grey im Nationalpark Torres del Paine.

Zu verrückten Windgeschwindigkeiten und Pinguinen gesellen sich in Patagonien Gletscher. Zum Beispiel der Gletscher Perito Moreno auf der argentinischen Seite Patagoniens. Oder der Gletscher Grey im Nationalpark Torres del Paine. Auch der Gletscher Grande bei El Chaltén gehört dazu. Und natürlich viele mehr. Das Beeindruckende ist, dass man sie plötzlich überall sieht: kleine und große, schmale und breite – und einem das Staunen trotzdem nicht abhanden kommt. Diese für unser Klima so wichtigen Eismassen sorgen nicht nur für Momente des demütigen Betrachtens dieser Naturwunder, sondern auch für Betroffenheit. Befinden sich einige wenige unter den Gletschern im Equilibrium – sprich in einem Zustand, in dem sie nicht schrumpfen, wie beispielsweise der Perito Moreno –,  so haben sich andere wie der Gletscher Grey schon stark zurückgezogen. Das Ausmaß wird einem dann bewusst, wenn man erstmals an einem Gletschersee steht und begreift, dass der Gletscher einst bis ans Ufer reichte.

Grund vier: Zeit zum Umrüsten.

Sachen packen im Campamento Torres/Base im Nationalpark Torres del Paine.

Nicht nebensächlich: Wer nach Patagonien reist, sollte sich vorher mit der benötigten Ausrüstung auseinandersetzen.

Klingt völlig verrückt, ist aber wahr: Patagonien stellt Trekkingreisende vor neue Herausforderungen in Sachen Ausrüstung. Insbesondere jene Wander- und Trekkingreisende, die vornehmlich in mitteleuropäischen Breitengraden unterwegs waren. Zu denen zähle ich. Daher habe ich die Patagonien-Reise genutzt, um meine gesammte Ausrüstung fürs Draußen auf die Probe zu stellen, zu verkaufen und zu erneuern. Schließlich konnte ich mir vorstellen (und kann es jetzt noch viel mehr) auch weiterhin auf die eher sehr nördlichen oder sehr südlichen Landschaften zurückzugreifen.

Zusammengefasst bedeutet das:

  • In Patagonien wird es nachts sehr kalt, d.h. Nächte mit Temperaturen um den Gefrierpunkt oder darunter sind keine Seltenheit. Das macht nicht nur einen guten Schlafsack erforderlich, sondern auch die passende Isomatte.
  • Windig, Windiger, Patagonien: Bei Windgeschwindigkeiten um die 80 km/h im Normalfall und während meiner Tour zwischen 100 und 130 km/h braucht es ein Zelt, das nicht nur derartigen Windgeschwindigkeiten Stand hält, sondern sich auch während dieser problemlos aufbauen lässt. Spannend wird es auch, einen Campingkocher im Sturm zu zünden – hier sollte man auf Windkocher zurückgreifen.
  • Das 5-Minuten-Prinzip: Das Wetter in Patagonien ändert sich schnell, Einheimische sagen gern „alle 5 Minuten“. Dann kann man vom Regen in die Sonne, von der Sonne in den Schnee oder von schwülen Temperaturen plötzlich in kalten Wind kommen. Dafür braucht es die richtige Kleidung – meine hauptsächlichen Hilfsmittel hießen hier: Hardshell, Softshell, Primaloft, Polartec Fleece und Merino.

Mehr zu meiner Ausrüstung verrate ich bald hier auf dem Blog.

Grund fünf, oder: „Gebirgsdrama, Baby“.

Berge über Berge an der Laguna Toncek bei Bariloche in Argentinien.

Wo sich „Oooh“ und „Aaah“ treffen: Laguna Toncek nahe des Refugio Frey bei Bariloche.

Wer sich mit Patagonien beschäftigt, hört immer wieder Superlative, wie „am Ende der Welt wandern“ oder „Ausflug in die Natur der Extreme“. Doch das beeindruckte mich am Ende nicht so sehr wie die Bilder, die ich von diesem Land sah. Die dramatischen Ausblicke auf Eisfelder, die sich in blitzeblauen Seen spiegeln. Sattes Grün, das den Blick auf einen Gletscher freigibt. Berge, die sich in bizarren Formationen zum Himmel strecken. Diese kleinen Gegensätze, die jeden Ausflug bis in die letzte Sekunde spannend gestalten, die mag ich sehr. Und Patagonien hat davon ganz besonders viele.

Zugabe: Die Grenzerfahrung.

Kurz vorm Weggeblasen werden im Nationalpark Torres del Paine.

„Waaah, hups“ – bloß nicht umfallen: Wandern bei Windgeschwindigkeiten bis zu 130 km/h.

Von all dem, was mich in Patagonien erwartete, hatte ich ganz vieles noch nicht getan. Eine echte Trekkingtour, die mich fünf Tage von der Zivilisation trennen und mit großem Rucksack und zwischen 16,5 bis 18 kg Gepäck durch einen Nationalpark führen würde, zum Beispiel. Zum ersten Mal hieß es für mich: Wandern unter extremen Wetterbedingungen – und obwohl ich theoretisch die Anwesenheit von „Wind“ verstanden hatte, so wurde sie mir doch erst bewusst, als ich gegen Sturmböen ankämpfen musste. Unter derartigen Bedingungen hatte ich noch nie mein Zelt aufgebaut, geschweige denn versucht, einen Kocher zu entzünden. Kurzum: In Patagonien erwartete mich ganz viel, das mich auf das Extremste mit mir und meinen Grenzen konfrontieren würde. Und darauf hatte ich große Lust.

Für euch geht es bald durch Patagonien?

Alle Informationen rund um meine Tour, wie Reiseplan, Packliste, Tipps und Erfahrungen, werde ich nach und nach hier veröffentlichen.

Schreibe einen Kommentar
Deine eMail-Adresse wird nicht publiziert. Pflichtfelder sind mit * markiert.

*

*